Kultur

Schmidts Tivoli: Das Unterhaltungstheater am Spielbudenplatz

Mitten auf der Reeperbahn, direkt am Spielbudenplatz, steht Schmidts Tivoli – ein Haus, das seit 1991 Hamburger Theatergeschichte schreibt und mit dem Kultmusical „Heiße Ecke“ eine ganze Stadt zum Lachen bringt.

Schmidts Tivoli: Das Unterhaltungstheater am Spielbudenplatz – Hamburg-Lifestyle

Wer einmal in Hamburg ist, kommt an der Reeperbahn kaum vorbei – und wer an der Reeperbahn entlangschlendert, dem fällt unweigerlich das leuchtende Haus am Spielbudenplatz ins Auge: Schmidts Tivoli. Mit seinen vergoldeten Säulen, den großen Rundspiegeln und dem unverkennbaren Charme eines grand-café-artigen Varieté-Hauses ist das Tivoli einer jener Orte, die Hamburg zu Hamburg machen. Kein Staatstheater, kein Hochkultur-Tempel – sondern echtes Unterhaltungstheater mit Herz, Witz und einer Handvoll Glamour.

Von der Kneipe zum Theater: die Geschichte des Spielbudenplatzes

Das Gebäude, in dem das Tivoli heute residiert, hat eine lange Geschichte. Ursprünglich befand sich hier ein offener Biergarten zwischen Vorder- und Hinterhaus. 1896 wurde eine Galerie angebaut und das Gelände überdacht. Von 1925 bis 1990 betrieb die Gastronomie „Zillertal“ das Haus im bayerischen Stil. Als Corny Littmann und Prof. Norbert Aust das Gebäude 1991 übernahmen, legten sie beim Umbau buchstäblich Schätze frei: Hinter dunklen Holzvertäfelungen schlummerten goldene Säulen, große Rundspiegel und Wandmalereien, die die Jahrzehnte erstaunlich gut überstanden hatten. Wer mehr über die Geschichte des Schmidt Theaters und Tivolis erfahren möchte, findet dort einen ausführlichen Überblick über beide Häuser und ihre Entwicklung seit den Anfängen auf dem Kiez.

Der 8. August 1988: Als alles begann

Bevor das Tivoli öffnete, gab es das Schmidt Theater. Am 8. August 1988 – um 8:08 Uhr abends – eröffnete Corny Littmann gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern das Schmidt Theater am Spielbudenplatz, in den Räumen des ehemaligen „Kaiserhofs“. Littmann, Jahrgang 1952, war zuvor mit dem Tourneetheater „Familie Schmidt“ durch Westdeutschland getourt. Das Schmidt Theater verstand sich von Beginn an als Volkstheater im besten Sinne: zugänglich, witzig, politisch, und fest verwurzelt in der Kiez-Kultur von St. Pauli. Was skeptische Beobachter zunächst bezweifelten, wurde zur Erfolgsgeschichte: Das Schmidt entwickelte sich rasch zu einer der bekanntesten privaten Theaterbühnen Deutschlands.

Eröffnung des Tivoli: September 1991

Drei Jahre nach dem Schmidt Theater folgte am 1. September 1991 die Eröffnung von Schmidts Tivoli – nur wenige Meter entfernt am selben Spielbudenplatz. Mit rund 620 Sitzplätzen (aufgeteilt in Parkett und Balkon) bot das Tivoli deutlich mehr Raum für aufwendigere Produktionen. Die Eröffnungsinszenierung war „Carmen“ mit Marlene Jaschke in der Titelrolle – und sie setzte den Ton für das, was dieses Haus bis heute auszeichnet: selbstproduzierte deutschsprachige Musicals und Revuen mit eigenem Profil. Auf „Carmen“ folgten Produktionen wie „Im weißen Rössl“, diverse Revuen und Gastspiele, die das Tivoli schnell als feste Größe der Hamburger Kulturszene etablierten.

„Heiße Ecke“ – das Kultmusical des Kiezes

Kein Artikel über Schmidts Tivoli wäre vollständig ohne das Musical, das dieses Haus weltberühmt gemacht hat. Am 16. September 2003 feierte „Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical“ Premiere und wurde auf Anhieb gefeiert: Das Hamburger Abendblatt nannte es „charmant und sexy, lasziv und ehrlich“, die Morgenpost taufte es „Hamburgs bestes Musical“. Das Stück, in dem neun Ensemble-Mitglieder pro Abend über 50 Rollen übernehmen und dabei 24 Stunden im Leben einer Kiez-Imbissbude schildern, ist das langlebigste deutschsprachige Original-Musical überhaupt. Die Drei-Millionen-Besucher-Marke hat das Stück längst geknackt – ein Rekord, den kein anderes deutschsprachiges Original-Musical aufweisen kann.

Was das Tivoli heute bietet

Schmidts Tivoli ist heute mehr als eine Bühne – es ist eine Institution. Neben dem Dauerbrenner „Heiße Ecke“ kommen immer wieder Gastspiele, Varieté-Abende und besondere Produktionen ins Programm. Das Haus ist vollständig privatwirtschaftlich finanziert, ohne öffentliche Zuschüsse – ein Modell, das bundesweit einzigartig ist und zeigt, dass Unterhaltungstheater mit Qualitätsanspruch auch ohne Subventionen funktioniert. Die Atmosphäre im Saal ist dabei ein eigenes Erlebnis: Goldene Säulen, warmes Licht, die leichte Erwartungsspannung eines echten Theatersaals – Schmidts Tivoli sieht aus, wie ein Varieté-Haus aussehen sollte.

  • Standort: Spielbudenplatz 27–28, Hamburg St. Pauli, direkt an der Reeperbahn
  • Eröffnung: 1. September 1991 (Schwesterbühne Schmidt Theater seit 8. August 1988)
  • Gründer und künstlerischer Leiter: Corny Littmann
  • Kapazität: rund 620 Plätze (Parkett und Balkon)
  • Bekannteste Produktion: „Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical“ (Premiere 2003, über 3 Mio. Besucher)
  • Finanzierung: 100 % privatwirtschaftlich, ohne öffentliche Förderung

Besuch planen – das solltest du wissen

Das Tivoli liegt fußläufig von der U-Bahn-Station St. Pauli und der S-Bahn-Station Reeperbahn entfernt – die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die entspannteste Wahl, denn Parkplätze in der Gegend sind rar. Tickets buchst du am besten direkt über die offizielle Website des Hauses. Wer eine Städtereise nach Hamburg plant, sollte das Tivoli fest einkalkulieren: Eine Vorstellung – ob „Heiße Ecke“ oder ein anderes Stück aus dem Spielplan – gibt dir das Gefühl, Hamburg wirklich erlebt zu haben. Nicht das Hamburg der Reiseführer, sondern das Hamburg, das die Hamburger selbst mögen.

Häufige Fragen

Wann wurde Schmidts Tivoli in Hamburg eröffnet?
Schmidts Tivoli eröffnete am 1. September 1991 am Spielbudenplatz in Hamburg St. Pauli. Das Schwesternhaus Schmidt Theater hatte bereits am 8. August 1988 seine Türen geöffnet.
Was ist die „Heiße Ecke“ und wie lange läuft das Musical schon?
„Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical“ ist seit seiner Premiere am 16. September 2003 im Spielplan von Schmidts Tivoli. Es gilt als das am längsten laufende deutschsprachige Original-Musical und hat die Marke von drei Millionen Besuchern überschritten.
Wie viele Sitzplätze hat Schmidts Tivoli?
Schmidts Tivoli bietet rund 620 Sitzplätze, aufgeteilt in Parkett und Balkon. Das Haus ist damit für aufwendige Musical- und Varieté-Produktionen ausgelegt.